„... denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Medien-Information vom 16. 01. 2006.

Ohne Rücksicht auf Verluste lassen Politik und Verwaltung die Investoren die geschichtsträchtige Bausubstanz zerstören. Ein besonders schlimmes Beispiel dafür ist das vor einem Jahr abgebrochene Haus Kurze Geismarstrasse 30 (neben der Hubertusapotheke) mit dem jetzt erst bekannt gewordenen Baujahr 1392!

Wir erinnern uns: für den derzeit im Bau befindlichen Kaufland-Supermarkt an der Kurzen Geismarstrasse wurden vor einem Jahr nicht nur der historisch bedeutsame Walkenrieder Klosterhof mit dem spätklassizistischen Rundbogenhaus und die mittelalterliche Ummauerung des Dorfes Gutingi beseitigt, sondern unter anderem auch das Fachwerkgebäude Kurze Geismarstrasse 30, direkt neben der historischen Hubertusapotheke. Weil ein aktuelles Inventar der denkmalwürdigen Objekte für Göttingen fehlt, wurde erst jetzt durch eine dendrochronologische Untersuchung erkannt, dass das äusserlich unscheinbare Bürgerhaus ums Jahr 1392, also kurz nach der grossen europäischen Pestwelle und lange vor der Entdeckung Amerikas, erbaut wurde.

Wo andere Städte sich glücklich schätzen würden, auch nur ein Gebäude aus diesen Zeiten in ihren Mauern zu haben, ist Göttingen offensichtlich nicht einmal daran interessiert, seine Schätze zu zählen. Dazu Stadtbauhistoriker und Denkmalpfleger Dr. Jan Wilhelm: „Eine gründliche Untersuchung der denkmalwürdigen Gebäude hat es in Göttingen nie gegeben - in einer Stadt dieser Grössenordnung, die den Zweiten Weltkrieg nahezu unzerstört überstand und nie einen Stadtbrand erlebt hat, ein unentschuldbares Versäumnis!“

Besonders peinlich: der Beschluss zum Abbruch des ganzen Quartiers wurde ausgerechnet 2003 gefasst, im Jahr des 1050jährigen Stadtjubiläums. Es stellt sich Frage, wie ernst es die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung mit der Stadtgeschichte meinen, wenn sie der Öffentlichkeit einerseits die herausragenden archäologischen Ergebnisse der Grabungen vorstellen, andererseits aber nahezu gleich alte Bauten über der Erde kommentarlos beseitigen lassen. Angesichts dieses Falles erscheint der amtliche Göttinger Werbeslogan „Stadt, die Wissenschafft“, überholt. Angemessener wäre wohl „Stadt, die Geschichte abschafft“.

Mittlerweile zeigt sich, dass die Initiatoren von Einkaufscentern massiv in die Innenstädte drängen und einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb entfachen, dem oft nicht nur die historische Bausubstanz, sondern immer auch der mittelständische Einzelhandel zum Opfer fällt. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb zur Center-Manie jüngst (9.1.2006, S. 19) zutreffend, dass sich die Flächenexpansion schon lange von der Geschäftsentwicklung im Einzelhandel abgekoppelt habe. Im Klartext bedeutet das: nachdem der Umzug auf die grüne Wiese, der zahlreiche Kunden aus den historischen Zentren abgezogen hat, nahezu abgeschlossen ist, suchen die Investorengelder ein neues Ziel in Gestalt der Innen- und Altstädte. Der Trend zur Monopolisierung des Handels gefährdet jedoch nicht nur die alteingesessenen Einzelhändler mit kleinen Verkaufsflächen, sondern auch die vorhandenen Baudenkmale und damit die Identität der Städte.

Wie der Verluste auf dem ehemaligen Lünemann-Gelände und die Diskussionen um Stadtbad-Areal und Nikolaiviertel zeigen, ist Göttingen massiv betroffen. „Einmal mehr wurde wertvollstes historisches Kapital verschleudert“ resümiert Uwe Scheibler, Vorsitzender des Vereins und fordert mit Blick auf die Investitionspläne der Düsseldorfer Comfort-Gruppe: „Dies darf sich in der Groner Strasse nicht wiederholen. Wir brauchen vor weiteren Entscheidungen ein tragfähiges Leitbild für den ganzen Wallbereich!“

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